Anmerkung:
Jeder Fluss fließt, dass heißt, er verändert sich und
seinen Wasserstand ständig.
Der Autor übernimmt daher keine Gewähr für die
Gültigkeit der Angaben.
- E-Mail
- Kommentare und Veränderungs- bzw. Fehlermeldungen bitte senden an:
Wolfgang.Glamann@t-online.de
Wolfgang Glamann
- Bockwischer Weg 6
- D-25578 Dägeling

Anreise mit dem Auto (alle Preise von August 2007):
- Fährhafen Puttgarden,
- mit
nach Rödby (Dänemark), die Überfahrt dauert 45 Minuten.
Die Passage für einen Pkw über 6m Länge
( mit Anhänger ) inklusive der
Fähre Helsingör - Helsingborg von Dänemark nach Schweden (Kombiticket)
kostet 136 € für eine Richtung.
- in Dänemark der Autobahn E47 Richtung Kopenhagen bis zum
Scandlines
Fähranleger in Helsingör folgen. Das sind etwa
200 Km. Mit Anhänger benötigten wir
etwa 3 Stunden für die Strecke. Die Fähre fährt
hier alle 20 Minuten.

Das Bild zeigt uns in der Wartespur für
Gespanne vor der Scandlines Fähre Helsingör-Helsingborg.
- In Schweden fährt man von Helsingborg auf der E4 weiter
Richtung Norden.
Nach etwa 120 Km in Ljungby abbiegen und in
westliche Richtung zum
Bolmen fahren.

Karte von Südschweden mit Bolmen und Raslangen, Immeln
und Ivö.
Das Zielgebiet "Bolmen" in Småland
Der Bolmen ist ein See in Småland
(Süd-Schweden).
Man fährt die E4 von Helsingborg in
Richtung Stockholm.
Nach etwa 120 Kilometern kommt man an die
Stadt Ljungby.
Hier biegt man ab und findet den Bolmen mit
seinen 365 Inseln
in westlicher Richtung.
Informationen vor Ort in Schweden
In nahezu jeder Stadt und auch in kleineren
Gemeinden gibt es in Schweden
ein Turistbyrå. Diese Anlaufstellen sind
gut ausgeschildert und befinden sich
typisch immer im Zentrum der Städte. Die
Turistbyrå halten eine große
Menge an kostenlosen Informationsschriften
über Stadt und Land bereit.
Betritt man eines dieser Turistbyrås,
so empfängt einem das Personal
typisch mit einem fröhlichen Lächeln. Man kann auch individuelle Fragen
stellen z.B. nach Unterkünften aller Art
und Kanustrecken. Oft wird Deutsch
gesprochen, manchmal auch nur Englisch.
Kartenmaterial und Beschreibungen
In den Touristbyrås bekommt man eine gute
Beschreibung zum Banvallsleden
für 130 SEK und 2 Karten zum Lagaleden für
je 50 SEK.
Nur im Buchladen erhältlich sind die "Gröna
Kartan" im Maßstab 1:50.000 .
Eine Bolmenkarte ( "BOLMENS-FISKEVARDSOMRADE"
ursprünglich für Angler )
gab es an der Campingplatz Rezeption ( für
etwa 400 SEK ) .
Kanuzentralen
An fast jedem zum Kanufahren besonders
geeigneten Gewässersystem gibt
es in Schweden sogenannte Kanuzentralen.
Diese werden vom Schwedischen
Kanuverband überprüft. Sie verleihen
Boote und Ausrüstung, geben aktuelle
Informationen zur Befahrung der Gewässer
und man kann dort oft auch zelten.
In den Kanuzentralen kann man individuelle
Kanutouren buchen oder auch nur
Boote und Ausrüstung leihen. Hier einige
Internet-Adressen:
Für den Kanuwanderweg "Lagaleden"
(vom See Unnen/Bolmen in Småland
bis Melbystrand am Kattegat):
Für den See Bolmen: Bolmen
Marin & Fritid, Bolmens Camping in Bolmen
Für den Fluß Bolmån: Bolmåns Kanot & Fritid in Nöttja
Fernwanderwege (Trails, Leden)
Im Gebiet des Bolmen gibt es viele
Wanderwege und auch gute Möglichkeiten,
Fahrradtouren zu unternehmen ( auch in der
Bolmenkarte gut eingezeichnet ).
Der Banvallsleden, ein kombinierter Wander-
und Radwanderweg, benutzt die
Bahntrassen zweier stillgelegter
Schmalspurbahnstrecken.
Mehr Informationen über den Banvallsleden
finden Sie unter diesem Link.

Übersichtskarte vom Banvallsleden
Camping
Wenn man sowieso Kanutouren machen
oder Kanuwandern will, bietet
es sich an zu campen. In Schweden
benötigt man einen Campingausweis
für die ganze Familie. Diese
Campingkarte kostete 90 SEK für 2003.
Eine Übernachtung kostet pro Familie
zwischen 110 SEK und 150 SEK,
in ganz seltenen Fällen (z.B. in
Stockholm) auch bis zu 200 SEK.
Für einen Stromanschluß zahlt man
um die 35 SEK pro Tag extra.
Ferienhaus
Dieses Jahr stellte es sich als
besonderes Glück heraus, dass wir ein Ferienhaus
gemietet hatten. Glück deswegen, weil
die Wetterbedingungen in diesem August
nicht für Campingurlaub geeignet
waren. Ferienhäuser bucht man am besten schon
weit im Voraus, also spätestens im
Frühjahr. Die Ferienhäuser in Schweden sind
in den letzten Jahren sehr teuer
geworden. Vor allem "Häuser am See" sind
entweder ausgebucht oder nicht
bezahlbar.
Badeplätze
Zum Baden sollte man als
ortsunkundiger
Tourist immer zunächst die
ausgewiesenen Badeplätze (Badplats) benutzen.
Diese sind überall in
Schweden (an den Strassen) gut
ausgeschildert. Hier
kann man schnell mal
ins Wasser springen und ist vor Überraschungen
( z. B. große Steine) sicher.
Wenn man irgendwo einen längeren
Aufenthalt hat, so lohnt es sich auch, selbst
sichere Bademöglichkeiten zu
erkunden.
Wetter
Der Klimawandel hat natürlich auch
in Schweden Einzug gehalten. Nach unseren
persönlichen Wahrnehmungen war es in Smaland in
den beiden letzten Augustwochen
gefühlte 10 Grad kälter als bei
unseren vorangegangenen Aufenthalten.
Was soll uns das nun sagen ??
Über Badeplätze brauchten wir uns in
diesem Jahr nicht viel Gedanken zu machen.
Es war einfach zu kalt zum Baden!
Smaland zog in diesem August jedes Regen- und
Sturmtief magisch an, egal wo es
gerade herkam. Und in der letzten Augustwoche kam
dann auch noch vermehrt kalte
Polarluft heran. Der Temperaturen Tiefpunkt wurde am
29. August erreicht: morgens um 6:00
Uhr war unser Auto dick übergefroren. Auch
die Rasenflächen am Haus waren weiß -
Bodenfrost.

Temperaturverlauf im August 2007 in Torup ( Wetterstation nahe dem Bolmen)
Highlights des Schweden-Urlaubs 2007:
Das besondere Highlight war
wetterbedingt unser Ferienhaus!

Das
gemietete Ferienhaus bei Sonne.
Die Leckereien des Schweden-Urlaubs
2007 waren eindeutig die
verschiedenen schwedischen Kuchen (
in Cafeterias oder aus dem Laden)
und natürlich der geräucherte
Saibling ( Röding ) von der Räucherei "Bolmen Fisk"
in Hamneda ( Raststätte an der E4 ).
Die beiden Städte für einen
Stadtbummel und zum
Einkaufen sind Ljungby am Bolmen
und Halmstad an der Westküste
(Ostsee).

Carl Milles Brunnen auf dem Marktplatz in Halmstad: Statue "Europa mit dem Stier"
von 1926

Das Wahrzeichen von Halmstad: "Der Frauenkopf" von Pablo Picasso
Ein Abstecher ins Glasreich ( Kosta
Boda ) verschönte uns einen sonst so tristen
Regentag.
Insekten
Abends waren jede Menge Mücken
unterwegs, was wir so noch nicht erlebt hatten.
In den 3 Wochen mit vielen
Wanderungen durch die Wildnis trat aber nur eine Zecke
in Erscheinung.
Warnungen
Die Gefahren, deren man sich im
letzten Urlaub noch bewusst war, geraten manchmal
über die Winterszeit in
Vergessenheit. Zu meiner eigenen Sicherheit
liste ich hier einige Warnungen für
Wassersportler und Outdoor Aktivisten auf.
Ich lese mir die Liste dann durch,
bevor ich 2008 wieder nach Schweden starte:
Warnung Nr. 1 für Kanufahrer in Schweden:
aufkommender Wind
Der Kanufahrer muss beim Befahren von
Seen immer damit rechnen,
dass unerwartet ein Wind aufkommt und
sich von jetzt auf gleich hohe
Wellen bilden. Dabei gibt es für das
plötzliche Aufkommen des Windes
oft keine Ankündigung ( z.B.
in Form von Wolken ).
Warnung Nr. 2 für Kanufahrer in der Wildnis:
Orientierungsprobleme
Der Kanufahrer muss beim Befahren von
größeren Seen immer damit rechnen,
dass er die Orientierung verliert.
Daher immer eine Landkarte und einen Kompass
mitführen. Das erleichtert die
Navigation schon erheblich.
Warnung Nr. 3 für Kanufahrer in der Wildnis: Hunger,
Durst und Kälte
Der Kanufahrer sollte auch
Tagestouren nie ohne ausreichende Verpflegung und
Ersatzkleidung durchführen. Viele
Kanufahrer mussten schon stundenlang auf einer
Insel auf besseres Wetter warten.
Warnung Nr. 4 für Kanufahrer in Schweden:
steigender Wasserstand
Der Kanufahrer muss beim Befahren von
Flüssen immer damit rechnen,
dass unerwartet der Wasserstand
steigt. Dies kann erfolgen durch das
automatische Anfahren eines
Wasserkraftwerkes oder durch starke
Regenfälle flussaufwärts.
Warnung Nr. 5 für Bootsfahrer und Schwimmer in
Schweden:
große Felsen kurz unter der Wasseroberfläche
Der Bootsfahrer muss beim Befahren
von Flüssen und Seen immer damit
rechnen, dass unerwartet kurz
unter der Wasseroberfläche ein Stein
"lauert" und die geregelte
Fortbewegung des Bootes plötzlich unterbricht.
Auch für Schwimmer sind diese
Hindernisse nur schwer zu orten.
Warnung Nr. 6 für Outdoor Aktivisten in Schweden:
Zecken
Bewegt man sich in der Nähe der
Flussufer, so muss man damit rechnen, jeden
Tag eine Zecke am Körper zu
finden. Verlässt man bei Wanderungen durch
Wald und Wiese mal den befestigten
Weg, so kann man sich ohne weiteres
schnell mal 10 Zecken in einer Stunde
"einfangen".
Warnung Nr. 7 für Outdoor Aktivisten in Schweden:
Wespen, Bienen und Co
Bewegt man sich in der Wildnis im
hohen Gras oder im Unterholz, so muss man
immer damit rechnen, von Wespen
angegriffen zu werden. Diese Insekten greifen
uns an, weil wir z.B. auf den Eingang
ihrer Erdhöhle getreten sind.
Nach unseren Erfahrungen ist man
besonders gefährdet beim Treideln von Booten
im hohen Graß am Flussufer und beim
Sammeln von Brennholz für das Lagerfeuer.
Also Augen auf und mit Vorsicht durch
die Natur.
Kanutouren auf dem See Bolmen und dem Fluß Bolman
(Beide Gewässer gehören zu dem Kanuwanderweg Lagaleden):
Der Lagaleden
ist ein 150 Km langer Kanutrail, der von Unnaryd durch den See
Unnen, dann durch den See Bolmen führt. Bei
Skeen verläßt der Trail den Bolmen
und es geht auf dem Fluß Bolman weiter
durch die Seen Kösen und Exen.
Danach fließt der Bolman in den Lagan. Der
Lagan mündet schließlich bei Mellbystrand
in die Ostsee. Mehr Informationen über den
Lagaleden finden Sie auf den Seiten
von Bolmåns Kanot & Fritid
im Menu Deutsch "Kanu
/ Kajak".
Im Touristbyra in Ljungby gibt es sowohl
ein kostenloses Informationsfaltblatt über den
Lagaleden als auch 2 gute Detailkartensätze
( je 50 SEK ), die für die Durchführung
einer Kanutour auf dem Lagaleden
unerlässlich sind.
Der Bolmen ist ein
großer See (Fläche 184 qKm, 35 Km lang und 12 Km breit)
in Südschweden (Småland). Man
findet sein östliches Ufer etwa 20 Km westlich
von Ljungby (der Ort liegt an der E4). Hier biegt man ab und findet den Bolmen
mit
seinen 365 Inseln in westlicher Richtung.
Eine beliebte Kanuwanderstrecke, der
Lagaleden, geht von Unnaryd am See
Unnen durch den See Bolmen, auf den Fluß
Bolmån und weiter bis dessen
Mündung in den Lagan. Der Lagan kann dann
weiter befahren werden bis
Mellbystrand am Kattegatt (Gesamtstrecke
150 Km).
Wer seine Aktivitäten auf den See Bolmen
beschränken will, kann hier die
Tour "Bolmsö Rund" machen, das
heißt, man umrundet die größte Insel
mit Namen Bolmsö per Kanu. Oder man
unternimmt einfach Tagestouren
und erkundet die anderen 364 Inseln im See.
Auf dem Bolmen sind große und schnelle
Motor- und Segelboote unterwegs.
Diese fahren aber hauptsächlich auf dem
freien See.
Aufgrund der vielen Regenfälle im
Sommer 2007 ist der Bolmen gut mit
Wasser gefüllt und der Fluss Boman hat einen
hohen Wasserstand und sehr
viel Strömung. Der Fluss ist ausreichend
tief.
Wir starten unsere erste Tour in Norlid (
Süd-Ostseite des Bolmen ).
Auf jeden Fall sollte man sich als
Grundlage für die Navigation die Karte des
Bolmen "BOLMENS-FISKEVARDSOMRADE"
kaufen. Die Karte gibt
auch Informationen über Wanderwege und
Fahrradtouren.
Wir starten unsere Tour in Norlid.

Der Blick von der Einsetzstelle in Norlid auf den Bolmen ( an einem
anderen Tag mit Sonne )
0,0 Km Einsetzen in
Norlid an der Naturrampe für Boote und Trailer.
Wir starten am Mittag um 12:00 Uhr. Der Himmel ist grau und es weht ein frischer
Ostwind vom See her in die Bucht. Sonnenschutz ist so kein Thema.
Die Lufttemperatur
beträgt 20 Grad, die Wassertemperatur 18 Grad.
Wir fahren Richtung Nordost aus der kleinen Bucht heraus.
0,5 Km Rechts passieren
wir im Süden die Halbinsel Näset. Danach kommen wir in kräftigen
Gegenwind mit Wellen, die sich auf dem langen Weg über den See gebildet
haben.
Wir fahren rechts einige Meter in den Torarpsviken hinein. So sind wir
im Windschutz
der Halbinsel Torö und steuern nun in ruhigem Wasser die Spitze
derselben an.
1,0 Km Wir umrunden die
Spitze der Halbinsel Torö und fahren danach in gebührendem
Abstand zum Land in Richtung Süden. Dicht unter Land besteht immer die
Gefahr,
auf einen Felsen im Wasser aufzulaufen. So gelangen wir in den Windschatten
der
Insel Mjölsaholm. Diese verhindert auch, das wir die großen Wellen vom
See her
abbekommen. Nach 100 Metern ändern wir unseren Kurs in Richtung Osten
und
steuern jetzt die Insel Mjölsaholm an. Die Insel selbst schützt uns vor
Wind und
Wellen.
1,5 Km So gegen 13:00 Uhr
erreichen wir die Westseite der Insel. Das Wasser ist hier flach
mit einem Sandboden. Aber zahlreiche große Steine erfordern unsere
ungeteilte
Aufmerksamkeit. Nachdem wir die Westseite von Mjölsaholm abgefahren haben,
legen wir etwa in der Mitte der Insel an einem schönen Sandstrand mit
Felsen an.
Es ist auch Sand im Untergrund! Hier könnte man gut baden, wenn es
wärmer wäre.
Leider ist das Hinterland der Anlegestelle ziemlich öde ( nur Bäume und
Schatten ).

Anlegestelle im Urwald von Mjölsaholm.
Nach kurzer Pause fahren wir weiter.
Jetzt umrunden wir Mjölsaholm entgegen des Uhrzeigersinnes.
Als wir die Südspitze erreichen, kommen wir in schweren Wind und starke
Wellen.
Es ist gerade noch so, dass der Kanadier es verkraften kann. Möglichst
schnell
fahren wir auf der Luv-Seite der Insel von der Südspitze zur Nordspitze.
Dabei müssen wir immer auf große Felsen im Wasser achten, die bei diesem
Wellengang schwer auszumachen sind.
2,3 Km Wieder im sicheren
Windschatten der Insel und geschützt vor den Wellen machen
wir einen neuen Plan. Da der Wind am Nachmittag am Bolmen meistens noch
zunimmt
und wir bei Ostwind auf der Westseite des Bolmens unterwegs sind, also
die großen
Wellen hier ankommen, beschließen wir langsam den Rückweg anzutreten.
Im Windschatten von Mjölsaholm und später Torö steuern wir zuerst Näset
an.
3,0 Km Kurz bevor wir
Näset erreichen, flaut der Wind etwas ab und wir steuern
nun quer zum Wind in Richtung Norden zum Kanufahrer-Rastplatz Jutudden.
Ein wenig müssen wir doch noch mit den Wellen kämpfen.

Der Rastplatz Jutudden am Bolmen gehört zum Kanutrail Lagaleden.
3,8 Km So gegen 14:15 Uhr
erreichen wir den Rastplatz mit wunderschönem Sandstrand.
Direkt am Strand stehen Sitzplätze bereit und wir machen ein gemütliches
Picnic.
Jetzt schaut auch noch einmal die Sonne durch die Wolken.
Um 15:00 Uhr starten wir den Rückweg zum Ausgangspunkt in Norlid.
Starker Wind links hinten und Wellen von der Seite begleiten uns in die
stille Bucht.
4,8 Km Wir sind gegen
15:20 Uhr zurück und verladen den Kanadier wieder auf den Trailer.
Mit dem Kanu auf dem großen See Bolmen hat nicht wirklich Spaß gemacht,
weil
man zu abhängig ist vom Wetter (Windstärke, Windrichtung und
Wellenbildung).

Wir starten unsere Tour in
Skeen. Dort direkt hinter der Staumauer des Bolmen fließt
der Fluß Bolman aus dem Wasserkraftwerk heraus.
Aber bevor es hier losgeht, müssen wir noch
einige Vorarbeit leisten. Ich setze meine
Frau so gegen 12:30 Uhr mit dem Kanadier und Zubehör
( Paddel, Schwimmwesten,
Karten, Proviant etc. ) in Skeen an der Einsetzstelle ab.
Dann fahre ich mit dem Auto
und dem Trailer ( inklusive einem Fahrrad ) zum
Zielpunkt an der Brücke
( Straße 25 / Bolman ) bei Östraby/ Kullsbacken. Hier lasse ich jetzt
das Auto und den
Trailer stehen und fahre mit dem Fahrrad die Straße 25 zurück nach Skeen. Das
sind
7 lange Kilometer auf freier Strecke heute gegen den starken Süd-Westwind und
mit
einigen Regenschauern als kostenlose Erfrischung.
Da fragt man sich dann auch schon mal: "Was mache
ich hier eigentlich?"
Kurz bevor ich wieder am Rastplatz in Skeen
ankomme, geht der Regen richtig los.
Ich springe vom Fahrrad und begebe mich direkt
unter eines der beiden Schutzdächer.
Am Rastplatz ist inzwischen auch eine Schulklasse
( 14 Schüler und 2 Lehrer ) aus
Dänemark eingetroffen. Die Dänen sind mit dem
Linienbus gekommen und ein
Kanuverleiher hat ihnen die Ausrüstung hier am
Rastplatz vor Ort angeliefert.
Jetzt warten wir alle darauf, dass der Regen
aufhört, damit wir losfahren können.
Die Dänen erzählen, dass sie heute bis Nöttja
fahren wollen und dort übernachten.
Ich frage sie, ob sie einen "Plan für die
Stromschnellen vor Nöttja" haben.
Ja, den haben sie! Der Kanuverleiher hat ihnen
strikte Anweisung gegeben, hier nicht
durchzufahren, sondern die 300 Meter zu treideln.
Die letzten 200 Meter vor der Brücke
in Nöttja dürfen sie dann wieder fahren. Wir
machen sie noch auf die Problematik der
Brücke in Nöttja aufmerksam. Vor der Brücke am
linken Ufer gibt es nur eine sehr
kleine Anlegestelle für 1 Boot zur selben Zeit
und sehr starke Strömung. Also muss man
die Kanus der Gruppe vorher "vereinzeln", bevor
man hier geordnet aussetzen kann.
Hinweis: der Bolman unter der Brücke in Nöttja
sollte nicht von Anfängern gefahren
werden, da hier eine sehr starke Strömung an dem
Brückenpfeiler steht.
Gegen 13:40 Uhr hört der Regen dann auf und wir
beschließen alle zusammen, jetzt zu
starten. Nach kurzer Absprache mit den Dänen
lassen wir ihnen den Vortritt und sie
bringen ihre 8 Aluminium Kanadier einzeln zu
Wasser. Jedes Boot, welches im Wasser
ist, fährt auch gleich ab.
Ich bringe schon mal mein Fahrrad hoch zur Straße
und schließe es an einer dicken
Birke fest. Das Fahrrad holen wir auf der
Rücktour wieder ab.

Kanurastplatz
in Skeen: die dänische Schulklasse am Start.
0,0 Km Einsetzen am
Kanurastplatz in Skeen um 14:00 Uhr. Endlich geht es los!
Der Fluss ist hier etwa 20 Meter breit und hat gute Strömung.
Das Wasserkraftwerk am Bolmen produziert wohl viel Strom heute!
Auf beiden Seiten sind die Ufer mit Bäumen bewachsen, die weit über das
Wasser
reichen. Wir machen gute Fahrt, aber es regnet auch sofort wieder.
Ab und an passieren wir einen Bauernhof. Die Gebäude liegen immer 50 bis
100 Meter entfernt vom Fluss.

Der Bolman in Skeen: kurz nach dem Start fängt es wieder an zu regnen.
Die Schwimmweste und der
australische Lederhut schützen vor der Nässe.
3,0 Km Autobrücke in
Annerstad. Kurz hinter der Brücke auf der rechten Seite ist ein
Anleger für Kanus (Ein- und Aussetzstelle). Der Bolman fließt ruhig
dahin mit guter
Strömung. Die Sonne lässt sich blicken und es macht richtig Spaß zu
Paddeln.

Es wird heller und der Bolman hinter Annerstad immer breiter.
Kurz vor Erreichen der Mündung des Bolman in den See Kösen ist der
Fluss nun wohl
fast 30 Meter breit. Es fängt wieder an zu regnen. So suchen wir
Schutz unter einem
großen Uferbaum, der weit über das Wasser ragt. Man hört nur die Vögel
singen und ..
.... die Dänen reden. Sehen können wir sie nicht, aber sie müssen sich wohl vor
der Mündung gesammelt
haben und machen dort eine Pause.
Der Regen lässt bald
wieder nach und
wir fahren weiter. Die Stimmen der Dänen
werden auch schon leiser.
Sie sind wohl jetzt raus auf den See gepaddelt.
5,0 Km
Um 15:20 Uhr erreichen wir die Mündung des Bolman in den See Kösen. Die
Dänen
sind mit ihren 8 Kanus schon mitten auf dem See. Hier auf dem Kösen weht
ein frischer
Wind aus der Richtung Süd-West und bildet auf dem See große Wellen.
Genau mit diesem Wind fahren die Dänen wie mit Engelsflügeln auf die
Insel Högö zu,
was natürlich falsch ist. Aber weder sie noch wir bemerken es jetzt in
diesem Moment.
Macht auch richtig Spaß so mit Wind und Wellen über den See zu gleiten.
Aber wie wäre es mit etwas Navigation? Stimmt der Kurs wirklich?

Jetzt geht es hinaus auf den See
Kösen! Aber wo müssen wir hin ?
Ich habe mich vorher schon damit abgefunden, das wir unsere Fahrt auf
dem Kösen mit
seitlichem Wind fortsetzen müssen. Und jetzt kommt der Wind von Achtern?
Also hier
stimmt was nicht! Paddel aus dem Wasser und Karte raus. Leider können
wir anhand
der Karte auch nicht genau ausmachen, wohin wir müssen. Es sieht alles
ziemlich gleich
aus. Welche Insel in Natur ist jetzt welche Insel auf der Karte? Ich
muss zugeben, ich
habe den See Kösen von der Größe her unterschätzt und keinen Kompass
eingepackt.
Jetzt hilft nur noch eines: ich weiß, dass wir dorthin müssen, wo
die Straße 25 genau
am See Kösen über eine Brücke führt. Also beobachte ich das Seeufer, ob
ich
irgendwo in der Ferne Lastkraftwagen sehe. Auf meiner Radtour habe ich
gesehen,
dass auf der 25 viele LKWs unterwegs sind. Und siehe da, genau 90 Grad
rechts zu
unserem derzeitigen Kurs sehe ich die LKWs fahren. Wir vergleichen nun
mit der Karte
und bringen so tatsächlich Natur und Papier zur Übereinstimmung.
Die Dänen sind mit Wind und Wellen in die falsche Richtung nach Högö
gefahren.
Von dort wieder gegen den Wind und Wellen zurückzupaddeln ist für die
Anfänger
wohl nicht machbar. Ich denke, die wurden ein Fall für den
"Abschleppdienst", sprich
für den Kanuverleiher?
Wir drehen jetzt Richtung Osten und halten mit Seitenwind auf die Brücke
zu, die wir
zwar noch nicht sehen, aber über die immer wieder die LKWs rollen.
Starke Wellen zwingen uns ab und an, den Kurs zu ändern, damit wir nicht
umkippen.
Bei zu hohen Wellen fahren wir halt ein Stück mit den Wellen direkt von
achtern.
So steuern wir dann gerade noch südlich an den Inseln Tärnö und Surkö
vorbei.
Um 15:40 Uhr kommen wir wieder in ruhigere Gewässer und können nun auch
die
Brücke selbst sehen. Jetzt können wir verschnaufen und lassen wir uns etwas Zeit.

Rechts neben dem kleinen Haus erkennt man die Brücke der Strasse 25, unter
welcher der Bolman aus dem Kösen heraus fließt. Hier ist unser Zielpunkt.
7,5 Km Gegen 16:00 Uhr
legen wir hinter der Brücke bei unserem Auto und Trailer an. Nach
15 Minuten ist das Kanu verladen und wir machen im Auto eine Brotzeit,
weil
"draußen" schüttet es gerade wie aus Eimern. Da haben wir aber Glück gehabt!
Und wir denken darüber nach, wie es den Dänen wohl geht.
Sie haben ihren Irrtum eindeutig zu spät bemerkt. Wir haben sie nicht
wieder gesehen.
Dabei hätten sie auf ihrem Weg nach Nöttja auch die Brücke ansteuern müssen.
Auf dem Bolman Richtung Nöttja muß man dann noch einmal umtragen und es
folgt
eine 3 Kilometer lange Passage, die nur zwischen 10:00 Uhr und 17:00
Uhr
gepaddelt werden darf. Das haben sie ja auf keinen Fall geschafft.

|